Deutsches Festnetz
phone 022 34 / 9449 525
Kostenlose Hotline
phone 0800 / 50 40 30 8
 

Selbst erbrachte Pflegeleistungen: Kein steuerlicher Abzug?

Geltendmachung von selbst erbrachten Pflegeleistungen - Durch Urteil eingeschränkt

Fast jeder Mensch wird in seinem Leben irgendwann mit der Pflege von Angehörigen konfrontiert werden. Dabei schießen einem sofort Gedanken wie Pflegeheime oder ambulante Pflegedienste durch den Kopf. Die hier entstandenen Kosten können in Höhe von bis zu 4000 € im Jahr steuerlich geltend gemacht werden, solange der Angehörige der Auftraggeber der Pflegedienstleistung ist. Doch es gibt auch die Möglichkeit den Angehörigen zumindest teilweise selber zu pflegen und zu betreuen.

Nimmt man diese Möglichkeit in Anspruch, merkt man schnell, dass dies mir sehr viel Arbeit und Zeit verbunden ist, welche man neben seinem Alltag zusätzlich zu bewältigen hat. Dennoch kann man die selbst erbrachte Pflegeleistung nicht, wie die in Auftrag gegebene Pflegeleistung, steuerlich geltend machen.

Aktuelles Urteil aus Münster

Das Finanzgericht Münster entschied am 15.04.2015 in einem Urteil (Aktenzeichen 11 K 1267/13 E), dass die in der Steuererklärung angegebenen Kosten einer Ärztin, welche ihren Vater zuhause pflegte nicht absetzbar seien. Für die Pflege ihres Vaters, welcher in Pflegestufe 2 (inzwischen abgelöst durch Pflegegrade) eingeteilt war, hatte sie 29.84 € pro Stunde berechnet, entsprechend dem Stundensatz für Ärzte im Bereitschaftsdienst.

Insgesamt kamen über das Jahr 54.000 € zusammen, welche sie als außergewöhnliche Belastung in der Steuererklärung geltend machte. Die Richter aus Münster widersprachen dieser Auffassung, da nach §33, Absatz 1, Satz 1 Einkommensteuergesetz, nur Aufwendungen abziehbar sind, welche als Geld- oder Sachleistungen zustande kommen. Die Arbeitsleistung an sich, welche die Ärztin berechnete, lässt sich somit nicht anrechnen.

Steuerbelastung reduziert durch den Pflege-Pauschbetrag

Dennoch haben Sie bei einer selbstständigen Pflege die Möglichkeit, Ihre steuerliche Belastung durch den sogenannten Pflege-Pauschbetrag zu mindern. Dieser pauschale Satz in Höhe von 924 € wird Ihnen nach §33 Absatz 6 Einkommensteuergesetz auf das zu versteuernde Einkommen angerechnet und mindert so die steuerliche Bemessungsgrundlage, auf deren Basis die Einkommensteuer ermittelt wird. Durch diesen Pauschbetrag sollen die Kosten für materielle Aufwendungen, welche Sie bei der Pflege haben, ausgeglichen werden, aber nicht ihre selbst erbrachte Pflegeleistung. Die 924 € können einmal pro Kalenderjahr steuerlich geltend gemacht werden.

Die zu pflegende Person muss kein Angehöriger sein, Sie dürfen aber für die erbrachte Leistung keine finanzielle Vergütung erhalten. Sind mehrere Personen beteiligt, welche die Pflegeaufgaben übernehmen, darf der Pauschbetrag trotzdem nur einmal angesetzt werden, er ist dann untereinander aufzuteilen. Beispielsweise pflegen 2 Geschwister einen Angehörigen und teilen sich die Arbeit, kann jedes dieser Geschwister 462 € als Pflege-Pauschbetrag geltend machen. Sind zwei oder mehr Personen zu pflegen, können pro Kopf 924 € geltend gemacht werden, der Pauschbetrag richtet sich also nach der Anzahl der zu pflegenden Menschen. Bei zwei Pflegebedürftigen können demnach insgesamt 1848 € angesetzt werden.

 

Gefällt Ihnen unser Internetauftritt, dann bewerten Sie Ihn hier:
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Wertung 4.51/5 (95 Bewertungen)