Deutsches Festnetz
phone 022 34 / 9449 525
Kostenlose Hotline
phone 0800 / 50 40 30 8
 

Hausumbau / Wohnungsanpassung im Alter - wirklich benötigt?

Wird im Alter wirklich ein Hausumbau bzw. eine Wohnungsanpassung benötigt?

Mitmenschen, die aufgrund ihrer eingeschränkten Mobilität an die Grenze ihrer selbstständigen Lebensführung kommen, stehen möglicherweise vor der folgenschweren Frage, ob ein Auszug aus gewohntem Wohnraum erforderlich ist... eine Frage, die sehr emotionsbeladen sein kann.

Gute Gründe gegen das Bleiben?

"Das ist unvernünftig", "nicht nachvollziehbar", "altersstarrsinnig". So oder ähnlich mögen Angehörige von alten Menschen denken, wenn diese trotz erheblich eingeschränkter Bewegungsfähigkeit weiterhin in ihrer Wohnung/ihrem Haus bleiben möchten und sie deshalb den Umbau oder die Wohnungsanpassung vorziehen, statt in eine "schicke" barrierefreie, seniorengerechte Wohnung umzuziehen.

Gründe für eine ablehnende Haltung

Was kann dazu führen, dass Angehörige von Betroffenen, dem Bleibewunsch ablehnend gegenüber stehen? Von besonderer Bedeutung dürfte die Überzeugung sein, dass ein Umbau bzw. eine Wohnungsanpassung nicht in dem Maße den Bedürfnissen des eingeschränkten Menschen entsprechen wird, so wie es von einem Umzug in vermeintlich geeigneteren Wohnraum oft erwartet wird.

Eine wesentliche Rolle dürfte auch die Unsicherheit darüber spielen, wie der Umbau oder die Wohnungsanpassung finanziert werden kann. Welche genauen Kosten kommen auf einen zu? Wer übernimmt eventuell einen Teil Kosten? Welcher "Schreibkram" ist dafür erforderlich?
Natürlich bietet nicht nur dieser Ratgeber insgesamt Antworten auf viele Fragen von Angehörigen, auch andere Informationsquellen wie z.B. die Verbraucherzentrale können sehr hilfreich sein. Nicht zuletzt können auch Ängste vor Überforderung durch den trotz Umbau/Anpassung verbleibenden Pflegebedarf zu einer ablehnenden Haltung gegenüber dem "Bleibewunsch in den eigenen vier Wänden" führen.

Sparpotential

Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung verweist in Bezug auf die "Potenzialanalyse altersgerechte Wohnungsanpassung" (2012-2014) auf Daten, die das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) mit seiner durchgeführten Studie "Wohnen im Alter" aus dem Jahr 2011 liefert. Auf der Basis dieser Daten wird geschlossen, dass "in knapp 92% der aktuelle von Senioren bewohnten Wohnungen spätestens bei Eintritt der Pflegebedürftigkeit bzw. bei rund 95% der Seniorenhaushalte bei Auftreten von Mobilitätseinschränkungen Handlungsbedarf besteht". Sich mit dem eingangs dargestellten Wunsch auseinander zu setzen dürfte damit eine Vielzahl von Angehörigen treffen.
Die vorgenannte Analyse stellt das Sparpotential für öffentliche und private Haushalte durch altersgerechtes Wohnen heraus, indem Pflege- und Unterbringungskosten vermieden werden können. Unter diesem Aspekt lässt sich die Frage, ob Umbauen/Anpassen vernünftig sein können, durchaus bejahen.

Bleibewunsch aus Angst

Allen Überzeugungen und Ängsten von Angehörigen stehen die Ängste und Bedürfnisse der Menschen gegenüber, die in ihrer gewohnten Umgebung bleiben möchten.
Die erhebliche Anzahl an Eingenerationhaushalten im höheren Alter ist auch ein Beweis dafür, dass Menschen so lange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung, zu Hause, leben wollen. Die ältere Generation verbringt fast 90 Prozent des Tages in ihrer Wohnung, die somit den zentralen Aufenthaltsort für diese Personengruppe darstellt. Besonders "Hochbetagte" fühlen sich auch aufgrund der sozialen Sicherheit in der Wohnung sowie in der unmittelbaren Wohnumgebung, emotional an ihre Wohnung gebunden und wollen ihren Lebensalltag dort verbringen (Studie "Soziale Isolation älterer Menschen", S. 11, Moser-Siegmuth/Hofer, Wien, 2010).

Die Erkenntnis, durch Einschränkung der Mobilität die eigenen Grenzen der selbstständigen Lebensführung erreicht zu haben, können bei den Betroffenen zu einer tiefen Unsicherheit und Ängsten führen, die dann noch intensiviert werden, wenn die Vorstellung entsteht, die gewohnte und liebgewonnene Umgebung zu verlassen. Gefühlt heißt das "raus aus der Sicherheit und rein in die Unsicherheit".

Das Bedürfnis nach Sicherheit ist fundamental, hierzu sei auf die bekannte Bedürfnishierarchie nach dem Psychologen Abraham Maslow hingewiesen.

Fazit

Die Frage, ob ältere Menschen aufgrund mobiler Einschränkungen umziehen sollten, betrifft nicht nur die Sachebene, sondern kann im hohen Maße auch die emotionale Ebene betreffen. Von Angehörigen ist deshalb Einfühlungsvermögen gefragt; dabei ist es ratsam, eigene Überzeugungen und Ängste unter Hinzuziehen seriöser Informationsquellen zu hinterfragen. Ein "Herantasten" an die neue Situation, beispielsweise durch einen unverbindlichen gemeinsamen Besuch in einem Seniorenwohnheim, wäre eine Möglichkeit. So wird man sich der aktuellen Situation bewusst ("es kann wie es jetzt läuft nicht weitergehen") und man merkt, dass das potentielle neue Umfeld doch auch viele Vorteile hat, wie z.B. den Austausch mit Menschen des gleichen Alters und der gleichen Erfahrungen im Leben. Dieser Austausch durch neue Erfahrungen hält auch geistig fit!

 

Gefällt Ihnen unser Internetauftritt, dann bewerten Sie Ihn hier:
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Wertung 4.02/5 (53 Bewertungen)